Wie alles begann

Von Heinz Jurisch

Ein schöner Maiabend des Jahres 1926. In der ,,Gastwirtschaft zur Eisenbahn“ bei Kanters, gleich hinter den Schranken an der Senftenberger Chaussee in Calau, sitzt eine Gruppe von Männern beim Bier. Nichts an ihnen ist ungewöhnlich, selbst das Biertrinken erfolgt im durchaus erträglichen Rahmen. Beim genauen Zuhören

fallen Worte wie: Fußballspielen - wir sind doch genügend Leute - man sollte einen Verein gründen.

Ja, und das ist es. Diese Männer, es sind übrigens Erich Winter, Max Mudrick, Hugo Schaap, Richard Wilke, Paul Rietze, Paul Teetz, Alfred Dosse, Willi Mudrick, Gerhard Martin und Willi Borchert, sprechen über Dinge, die in den zwanziger Jahren noch ungewöhnlich sind, nämlich über Fußball! Und sie sprechen über die

Gründung eines Vereins, eines Fußballvereins. Man wird sich auch einig und legt den 11. Mai 1926 als Termin für die Gründungsversammlung fest. So wird an diesem Tag in der Gaststätte ,,Zum grünen Baum“ die Geschichte des ersten Calauer Fußballvereins beginnen!

 

Im Gründungsprotokoll vom 11. Mai lesen wir dann Ausschnittsweise:

Beginn: 20.45 Uhr                                                       Ende: 22.10 Uhr

Erschienen sind zur Versammlung 7 Mann, für weitere 8 Mann wurde der

Name in Vertretung eingetragen. Dem Club wird der Name: ,,Spielvereinigung

Calau 1926 “ (Abk.. SVC) gegeben. In den Verein kann jeden der über

17 Jahre alt ist, ohne weiteres eintreten. Jugendliche haben eine Bestätigung

der Eltern und eventuell des Lehrherrn vorzulegen.

Die Beiträge werden wie folgt festgelegt:

Jugendliche:      0,25 RM pro Monat

Aktive:       0,40 RM pro Monat

Passive:            0,60 RM pro Monat

Die Spielkleidung besteht aus schwarzer Hose und weißem Trikot.

Trainingstage sind:        Mittwochs ab 18. 00 Uhr

                                  Sonntags ab 9.00 Uhr

Umkleidelokal ist Pöschk am Bahnhof (Wirt Kanter)

Vereinslokal ist die Herberge in der Schloßstraße (Grüner Baum)

Der Gruß heißt künftig ,,Sport Heil“

Genehmigt:    Winter Martin

 

Fußballer bei leichtathletischen Übungen auf dem Sportplatz am Bahnhof.
Fußballer bei leichtathletischen Übungen auf dem Sportplatz am Bahnhof.

Am 1. ]uni 1926 ist es dann endgültig so weit. Wiederum in der Gaststätte ,,Zum Grünen Baum“ wird der erste Vorstand der Sielvereinigung Calau

1926 gewählt. Um 21.00 Uhr eröffnet Max Mudrick die Versammlung. Zum 

1. Vorsitzenden wird einstimmig Erich Winter gewählt. Sein Stellvertreter wird Richard Wilke, Gerhard Martin wird Schriftführer und Karl Wagner der Kassierer. Als Sportplatz wird das Gelände hinter der ,,Gastwirtschaft zur Eisenbahn“, welches der gegenüberliegenden Calauer Mühlen- und Futtermittel AG gehört, ausersehen.

Harte Arbeit erwartet nun die Sportkameraden, denn es gilt diesen Platz erst einmal zum Spielen halbwegs herzurichten. Alte Baumstümpfe und Birkensträucher müssen gerodet und der Boden ausgeglichen werden. Nachdem sich nun laufend neue Sportbegeisterte dem Verein anschließen, gehen die Arbeiten

verhältnismäßig schnell voran.

Trotzdem dauert den Spielern der Platzbau zu lange, Man will unbedingt spielen, um die eigene Spielstärke zu testen. Und so kommt es zum ersten Vergleich, natürlich zunächst auf des Gegners Platz und zwar gegen Drebkau. Für Calau spielen:

Härtel, Winter, Rietze, Meißner, Hannuschke, Melzheimer, W.Mudrick, H. Schaap, Martin, R.Lehmann und Wilke. Mit 7:1 wird Drebkau förmlich vom Platz ,,gefegt" und auch das zweite Spiel in Vetschau gegen den dortigen Sportclub, der schon der Liga angehört, wird hoch mit 8:3 gewonnen.Dann ist endlich der eigene Sportplatz fertig. Die ,,Sandkiste”. wie ihn besonders die Gegner nennen. Zur Einweihung verpflichtet man als Gegner die Gauliga-Elf des Cottbuser Sportclubs. Diese zeigen einen herrlichen Fußgball und gewinnen das

Spiel sicher mit 4:0.

Die 1.Männermannschaft 1926 v.l.n.r.:Wilke, Herrmann, Wagner, Meißner, Winter, Freudenberg, H.Schaap, Schumann, Babbe, Rietze, E.Schaap.
Die 1.Männermannschaft 1926 v.l.n.r.:Wilke, Herrmann, Wagner, Meißner, Winter, Freudenberg, H.Schaap, Schumann, Babbe, Rietze, E.Schaap.

Übrigens unterscheidet man bis 1933 zwischen den Spielklassen 4. Klasse, 3. Klasse, 2. Klasse, 1. Klasse und Gau-Liga. Bestärkt durch die guten Ergebnisse aus den Freundschaftsspielen stellen die Calauer den Antrag, die 4. Klasse gleich zu überspringen. Dem gibt man auch statt und die starken Calauer halten, was sie versprechen. Sie werden mit großem Vorsprung Meister der 3. Klasse und damit gleich Aufsteiger in die 2. Klasse.

Schon am Ende der Spielsaison 1928/29 steht man wieder an der Tabellenspitze, doch nun wird den Calauern der Aufstieg in die 1. Klasse nicht leicht gemacht, Zunächst muss zur Erringung der Meisterschaft gegen die punktgleiche Mannschaft des VfB Muskau ein Ausscheidungsspiel ausgetragen werden. Nach hartem Kampf

auf neutralem Platz gewinnt Calau mit 2: 1. Nun Folgen zwei Spiele gegen den Meister der Gruppe B, dem VfB Krieschow. Mit 3:3 im ersten und einem 3 :0 Sieg im zweiten Spiel nehmen die Calauer auch diese Hürde. Erst jetzt ist man berechtigt, gegen den Letzten der 1.Klasse, Union Cottbus, um den Aufstieg zu kämpfen. In zwei großartigen Spielen, mit lautstarker Unterstützung der Anhängerschaft, wird dieser Gegner mit 4:1 und 10:0 förmlich deklassiert! Auch die inzwischen gebildete 2. Männermannschaft erzielt in ihrer Klasse einen 

2. Tabellenplatz und die Jugendmannschaft wird schon Fünfter.

1927-Reservemannschaft der SVC 1926 v.l.n.r.: Rietze, Gangelmayer, H.Meißner, Wilke, Herrmann, O.Meißner, H.Schaap, Preuße, Beuche, Winter.
1927-Reservemannschaft der SVC 1926 v.l.n.r.: Rietze, Gangelmayer, H.Meißner, Wilke, Herrmann, O.Meißner, H.Schaap, Preuße, Beuche, Winter.

Neben den beachtlichen ersten sportlichen Erfolgen ist sicher interessant, wie die allgemeine Entwicklung des Vereins verläuft und welche Probleme sich zeigen. Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland steigt schon im Jahr 1927 stark an. Auch eine ganze Reihe von Sportlern der SVC sind davon betroffen. Eigentlich haben nur  

noch wenige Arbeit, übrigens meist die Mitarbeiter der Niederlausitzer Ueberlandcentrale Calaus (NUC).

Der Verein, finanziell ohnehin nicht gerade ,,auf Rosen gebetet", erlässt den arbeitslosen Sportlern den Mitgliedsbeitrag. Diejenigen, die noch Arbeit haben, springen großzügig in die Bresche, besonders, wenn es um die Bezahlung der Fahrten zu den Auswärtsspielen geht. Nicht selten wirken sich die Sorgen und Nöte der Spieler auch auf die Disziplin aus. Manche unnötige Niederlagen muss hingenommen werden, weil einige Spieler unter Alkohol stehen. Spielsperren und Geldstrafen sind notwendig, um manchen wieder auf den richtigen Weg zu bringen. Von einigen muss man sich gar völlig trennen!

Auch Sammlungen bei Calauer Geschäftsleuten bringen zwar Erleichterung für die Vereinskasse, können aber die finanziellen Nöte nicht immer lösen.

 

Die Abt.Fußball der Spielvereinigung Calau1926 (Foto:Archiv H.Jurisch)
Die Abt.Fußball der Spielvereinigung Calau1926 (Foto:Archiv H.Jurisch)

Auch eine Frauenriege bildet sich am 13. Dzember 1927 bei der SV Calau. Aber ein Mann, Erich Montoux, übernimmt deren Leitung Für Frauen ist es zu dieser Zeit überhaupt noch sehr schwer, sich in solchen sportlichen Vereinen zu behaupten. Die Frauen bestätigen sich nun in den Sportarten Handball, Faustball und Leichtathletik und 1928 wird zunächst sogar eine Frau in den Vorstand der SV gewählt. Doch schon ein Jahr später sind die Männer wieder unter sich! Nach einem Jahr der notwendigen Anpassung der Fußballer in der l. Klasse, in dem die 1. Mannschaft in der

Spielsaison 1929/30 einem guten Mittelplatz belegt, gelingt die Erringung der Meisterschaft in der 1. Klasse, gleichzusetzen mir der heutigen Kreisliga, sind nun für den Aufstieg zur Gauliga Ausscheidungsspiele gegen

Finsterwalder und Spremberger Mannschaften notwendig. In Vorbereitung auf diese schwierige Aufgabe bestreiten die Calauer zunächst ein Freundschaftsspiel gegen die Gauliga-Elf der Spielvereinigung Finsterwalde. Wie es nun tatsächlich um die Spielstärke der Calauer zu diesem Zeitpunkt steht, geh wohl eindrucksvoll aus dem folgenden Bericht der Finsterwalder Tagespresse hervor.

 

Der Gauligakandidat führt sich gut ein.

Spielvereinigung Liga verliert gegen Calau 1:6 (1:4)!

Spielvereinigung Reserve schlägt Calau 7:1 (3:0)

 

Für vergangenen Sonntag hatte die Leitung der Spielvereinigung (Finsterwalde) die beiden

Spitzenmannschaften der Spielvereinigung Calau verpflichtet, die gegen die gleichen des Gastgebers antraten. Vor dem Hauptspiel standen sich die beiderseitigen Reservemannschaften gegenüber. Gemäß der Voraussage erwies sich die heimische Mannschaft als die Stärkere. Sie konnte ihren Gegner sehr sicher mit dem oben angeführten Resultat abfertigen. Im Anschluss daran standen sich die beiden Spitzenmannschaften gegenüber. Die Gäste aus der Nachbarstadt waren noch besser als ihr Ruf, sie zeigten ein äußerst solides Können und werden bei gleichen Leistungen in der Gauliga eine

beachtliche Rolle spielen…

Calau verlässt als verdienter, wenn auch etwas zu hoher Sieger, den Platz.

W K.

 

Diesen Elan nehmen die Calauer mir in die Aufstiegsspiele. Nach schweren Kämpfengeling ihnen 1930 doch tatsächlich der Sprung in die damals höchste Spielklasse.Ganz Calau ist stolz auf diesen Erfolg.

Das war die Mannschaft, die 1931 den Aufstieg in die damals höchste Spielklasse, der Gauliga schaffte. V.l.n.r.: Wilke, Schmidt, Richter, Winter, H.Meißner, Lachmann, Pachtmann, Matschenz, Schalow,Lehmann, Mudrick, Behnke. (Foto Archiv H.Jurisch)
Das war die Mannschaft, die 1931 den Aufstieg in die damals höchste Spielklasse, der Gauliga schaffte. V.l.n.r.: Wilke, Schmidt, Richter, Winter, H.Meißner, Lachmann, Pachtmann, Matschenz, Schalow,Lehmann, Mudrick, Behnke. (Foto Archiv H.Jurisch)
Die 1.Männermannschaft der SVC nach den Aufstiegsspielen
Die 1.Männermannschaft der SVC nach den Aufstiegsspielen