Die Entstehung des Sportplatzes in der Zieglstraße

Bearbeitet von Heinz Jurisch

 

Am 17.Juli 1929 wurde sich bei einer außerordentlichen Versammlung im Protokoll unter Punkt IV festgelegt:

Da uns vom Besitzer unseres Sportplatzes (die ,,Sandkiste“ hinter dem Bahnhof am Plieskendorfer Weg) erklärt wurde, das wir früher oder später doch einmal damit rechnen müssen, den jetzigen Platz zu räumen, sieht sich der Vorstand genötigt, ehe wir vor vollendeten Tatsachen stehen, schnellstens Schritte zu unternehmen, einen anderen Platz zu erhalten. Die Bedingungen für die neue Spielklasse (noch 1. Klasse) sind ohnehin unzureichend. Jedoch darf die kommende Verbandsserie noch auf dem alten Platz ausgetragen werden. Inzwischen muss die Platzfrage gelöst werden. Die Vorstandsmitglieder Erich Winter und Max Mudrick verhandeln mit dem Calauer Gastwirt Thoran. Dieser erklärt sich durchaus nicht uneigennützig bereit, der SVC ein geeignetes Gelände zu folgenden Bedingungen zu überlassen:

1. Der Platz sollte den Namen des Stifters tragen

2. Freie Pacht auf 5 ]ahre

3. Nach 5 Jahren soll der Platz von der SVC gekauft werden

4. Der Verein soll künftig das Lokal des Herrn Thoran, die Gaststätte

,,Weißer Hirsch" in der Cottbuser Straße, zum Stammlokal machen. Der Vorstand ist, warum auch nicht, zunächst damit einverstanden, doch sind die meisten Vereinsmitglieder der Meinung, dass man unter ähnlichen Bedingungen ein weitaus besseres Gelände erwerben könnte. Herr Fritz During aus Altnau nämlich

stellt dem Verein zunächst pachtweise ein günstig gelegenes Gelände an der Ziegelstraße, zwischen Badeanstalt und Bahnhof gelegen, zur Verfügung. Nun wird der Platzbau Wirklichkeit. Mit dem Platzbau beginnt aber nun eine wirklich schwere Zeit für die Spielvereinigung Calau, eine Zeit, die mit viel Arbeit, aber auch mit Erfolgen durchsetzt sein wird. Eine Platzbaukommission mit den Sportfreunden Franz Gangelmayer, Max Mudrick und Herber Pachtmann wird gewählt, die sich eingehend mit der Planung des Platzes, der Koordinierung der notwendigen Maßnahmen und den Presseveröffentlichungen im ,,Calauer Tageblatt“ befassen sollen. Schließlich will man die breite Öffentlichkeit in das Bauvorhaben einbeziehen und möglichst beteiligen. Nach dem Grundbucheintrag kann die Arbeit Anfang 1930 beginnen. Franz Gangelmayer, als Elektroingenieur bei der NUC über die notwendigen Vermessungskenntnisse verfügend, und Max Mudrick vermessen und nivellieren in Zusammenarbeit mit dem Architekten Wich den Platz. Dann vollziehen die Sportfreunde Tischer und Kurt Richter feierlich den ersten Spatenstich. Immerhin sind nun rund 5.000 m³ Erde zu bewegen, der Platz muss gepflügt und geeggt werden, Gras ist einzusäen, Barrieren, Sitze, Wege und eine Bewasserungsanlage sind anzulegen. Auch ein Pavillon soll gebaut werden. Auf zunächst 8.000,- Reichsmark schätzt der Vorsand den Finanzbedarf. Jedes Mitglied soll zunächst zehn Arbeitsstunden ableisten oder seine Zeit auch mit 10 Pfg/Stunde finanziell ausgleichen können. Man benötigt viel Geld undBaumaterial, Aufrufe werden erlassen und mit Listen Geld gesammelt, organisiert alles vom Initiator Max Mudrick. Es kommt aber nur wenig herein, es wird wohl sehr schwer werden! Die arbeitslosen Sportler beginnen mir den Bodenarbeiten, eine schwere Arbeit, die nur mit Sparen und Schippe bewältigt werden kann. Feldbahnschienen und Loren stellt der Tiefbauunternehmer Strauch aus Werchow dem Verein zur Verfügung.

Mit Spaten und Schippe werden die Bodnmassen in Loren verladen und das notwendige Platzniveau geschaffen. (Foto Archiv H.Jurisch)
Mit Spaten und Schippe werden die Bodnmassen in Loren verladen und das notwendige Platzniveau geschaffen. (Foto Archiv H.Jurisch)

Bis zum 4. April 1930 ist für etwa die Hälfte des Platzes das Niveau hergestellt, doch nun wird es schwerer. Eine Lehmader hemmt den Weiterbau, und es erscheinen auch immer weniger Sportkameraden zur ,,Knochenarbeit“. Schließlich sind es immer nur noch dieselben, die sich nicht entmutigen lassen. Da hilft nur noch ein Machtwort des Vorstandes den Säumigen auf die Beine. Und jetzt hat der Verein auch noch ein

wenig Glück, indem die letzte Sammlung Steine, Bauholz, einen Wasserbehälter und erhebliche Geldbeträge bringt. Brunnenringe kommen von der Fa.Schwenke & Mudrick, die Pumpenanlage für die Bewässerungsanlage und der Ausschank im künftigen Pavillon werden dem Verein geschenkt. Eine Woche nach Pfingsten 1930 ist der gesamte Platz im Rohbau fertig, aber offenbar ist auch die ,,Luft raus“. Die arbeitslosen Sportkameraden, die bisher bei Grützwurst und Brot die größte Arbeit leisteten, stehen meist allein da und haben bald die ,,Nase voll`. Der Vorstand ist machtlos! Selbst der bisher unermüdliche Franz Gangelmayer zieht sich resignierend zurück. Doch einige Unermüdliche um Erich Winter geben letztendlich noch nicht auf, säen wenigstens Gras an, auch wenn ein nachfolgender tagelanger Dauerregen vieles zunichte machen wird. Die aufgeschütteten Flächen senken sich, Verdichtungen und erneutes Aufschütten wird erforderlich. Plötzlich scheinen viele Sportfreunde doch Gewissensbisse zu haben, erscheinen wieder zu den Einsatzaufrufen. Die Pumpenanlage und die Saugleitung für die Bewässerungsanlage werden aufgebaut. Die plötzlichen Unstimmigkeiten mit dem Altnauer Wassermüller Minnich, der berechtigt am Göritzer Mühlenfließ seine Wasserrechte gewahrt haben möchte, sind durch das Anlegen eines neuen Wehres und den Wasserbezug aus dem Altnauer Freigraben zu beheben. Am 9. September ist es endlich so weit, dass mit der eigenen Bewässerungsanlage der junge Rasen unterstützt werden kann. Aber jetzt passiert etwas, was der SVC Fast die Luft zum Armen nimmt. Der Kassierer Wilhelm Mudrick brennt mit der Vereinskasse durch, in der sich 450,- RM in bar befanden. Die Schuldscheine über 2.500,- RM ließ er zurück. Das ist selbst einem

Erich Winter zu viel, nun wird auch er mutlos. Sollte denn alles umsonst gewesen sein? Das jahrelange Training, die großen sportlichen Erfolge, die schwere Arbeit am Sportplatzbau und die bisherigen Sammelaktionen? Wilhelm Mudrick aber bleibt verschwunden. Wie man später hörte, zog es ihn in die berüchtigte Legion Estrangere (die französische Fremdenlegion), für die im Lande viel geworben wurde!

 

Doch nur kurz ist die Pause, die die Initiatoren um Erich Winter und Max Mudrick zulassen. Selbst ein Franz Gangelmayer rafft sich wieder auf und bringt sich beim Bau des Pavillons/Kantine ein. Und nun lächelt dem Verein sogar ein wenig ,,Fortuna“ zu. Mit starker Fürsprache durch Herrn Pelle vom Kreisamt bekommt man von der Provinzregierung 500,- RM und von der Staatsregierung noch 100,- RM für den Weiterbau. Mit seinem Antritt als neuer Kassierer übernimmt Franz Gangelmayer nur noch ein Schuldenkonto von 900,-RM, das großzügig bis zum 31. Oktober gestundet wird. Überhaupt greifen nun die Handwerker aus Calau und Umgebung dem Verein hilfreich unter die Arme. Herr Strauch aus Werchow stellt noch einmal für die letzten Platzarbeiten Feldbahnschienen zur Verfügung, Herr Malermeister Heine stiftet die Farbe für die Zäune und Barrieren, Sportfreund Erich Rademacher baut sie mit seinen Leuten auf. Die Calauer Dachziegelwerke liefern die Steine für die Kantine und der Rat der Stadt Calau spendiert den Kies für die Wege. Viel 

Handwerksbetriebe müssen in der Folge allerdings in Anbetracht der anhalten Wirtschaftskrise von weiteren Unterstützungen zurücktreten. Die wirtschaftlich nicht so betroffene Niederlausitzer Ueberlandcentrale Calau (NUC), in der ja viele Vereinsmitglieder beschäftigt sind, nimmt sich nun des Vereines an, reduziert bald sein Schuldenkonto auf nur noch 10,- RM.

Mit einem Freundschaftsspiel wird der neue Sportplatz am 12.Juni 1932 eingeweiht (Foto Archiv H.Jurisch)
Mit einem Freundschaftsspiel wird der neue Sportplatz am 12.Juni 1932 eingeweiht (Foto Archiv H.Jurisch)
Nach dem Spiel schmeckt den Sportplatzbauern um Erich Winter (Zweiter von links) ein kühles Bier (Foto:Archiv H.Kober)
Nach dem Spiel schmeckt den Sportplatzbauern um Erich Winter (Zweiter von links) ein kühles Bier (Foto:Archiv H.Kober)

Man nähert sich einem vorläufigen Ende des Sportplatzbaus. 125 Sportfreunde haben daran gearbeitet, 4.136 m³ Erde mussten bewegt werden und 1.448 Feldbahnloren wurden dabei be- und entladen. 682 Lebensbäume für die Zaunhecken, 52 Ahorn-,

235 Birken- und 221 Tannenbäume wurden im Areal gepflanzt. Die akribische Statistik wäre nicht vollständig, würde man nicht die 176 getrunkenen Stiefel Bier, die 4.136 Schachteln gerauchter Zigaretten und die 45 Zigarren sowie die 26 Schachteln "geschummter“ Hannewacker (Bonbon) erwähnen. Am 12. ]uni 1932 ist es endlich soweit, der Sportplatz der Spielvereinigung Calau 1926 kann eingeweiht werden.

Ein wahres Schmuckkästchen ist hier entstanden.


A-Platz


B-Platz


C-Platz